Das Gedächtnis des Körpers

Autor: Joachim Bauer

Bauer (*1951) betätigte sich nach seinem Medizinstudium in der molekularbiologischen Forschung. Heute ist er als Internist, Facharzt für Psychotherpeutische Medizin und Psychiater am Uniklinikum Freiburg tätig, wo er als Professor und Oberarzt in der psychosomatischen Abteilung fungiert.

Gene sind nicht nur das, was uns bis in letzte Detail steuert, sondern sie werden auch selbst gesteuert, und zwar von Signalen in unserem Gehirn, die infolge von Umwelteinflüssen, zwischenmenschlichen Erfahrungen oder individuellen Erfahrungen ausgesandt werden. Dies heisst, die sind quasi auch beeinflussbar.

Schon lange ist das Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Umwelteinflüssen ein großes Forschungsfeld von Medizin und Naturwissenschaft. Nach neusten Erkenntnissen wissen wir, dass persönliche Ziele und Erfahrungen einen "Fingerabdruck" in unserern genetischen Strukturen hinterlassen.

In seinem Buch erläutert Joachim Bauer verständlich und pointiert, welche Konsequenzen daraus entstehen und was dies im Hinblick auf seelische und körperliche Erkrankungen bedeutet.


Müncher Merkur:
Joachim Bauer verbindet sein breites Wissen als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Internist und Psychiater zu einem interessanten, leicht zu lesenden Buch.


Frankfurter Rundschau:
Bauers Buch macht eindrucksvoll deutlich, dass ein biologisch fundiertes Bild der Seele diese weder "wegerklärt" noch die Psychotherapie ad absurdum führt. Es liefert vielmehr eine Erklärung für ihr Funktionieren

Matrix (oder: wir wirklich ist die Wirklichkeit)

Autor: Jim Baggott

Die Frage, inwieweit wir der Wahrnehmung unserer Sinne trauen können, wurde erst mit Erscheinen der Film-Trilogie Matrix richtig populär.

Der rennomierte Autor Jim Baggott bezeichnet sich selbst als wissenschaftlichen Realist, geht also davon aus, dass die Realität auch unabhängig von unsere Wahrnehmung und unseren Messungen existiert. Zwar hat er dafür keine plausible Begründung, er ist lediglich davon überzeugt, dass diese Annahme die beste Grundlage dafür ist, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Dabei erörtert Baggott alltägliche Bereiche unserer Erfahrung, die dieser Annahme auf den Grund gehen, stellt konstruktivistische Theorieansätze vor, erklärt, was soziale Realität ist und wie sie entsteht, und zeigt, dass ohne das menschliche Gehirn keine Zitrone gelb wäre.

Weit über die Bereiche der Wissenschaft hinaus, zieht die Suche nach dem Wirklichen viele in ihren Bann. Dafür sprechen allein schon die Kinokassen von Filmen wie Memento, Matrix oder Thirteenth Floor.

Das Thema wird nach philosophischen, physikalischen und sozialen Kriterien durchgespielt und dabei immer wieder mit Alltagserfahrungen verknüpft, wobei zusätzlich Botschaften einschlägiger Kultfilme miteinbezogen werden. (Wobei das Buch aber immer auch für die verständlich bleibt, die diese Filme nicht kennen.)

Das Buch kann in drei Teile gegliedert werden:

1. Zunächst wird die soziale Wirklichkeit behandelt, was uns zeigen soll, dass nicht alles, was wir als wirklich ansehen, auch wirklich sein muss. Zumindest die materielle Welt scheint gar nicht so real zu sein, wie wir denken.

2. Im zweiten Teil nähert Baggott sich dem Thema aus philosophischer Sicht, wobei er zum gleichen Ergebnis kommt, nämlich dass die Wirklichkeit nicht objektiv greifbar ist. Dabei werden sowohl altgriechische Philosophen wie Heraklit als auch zeitgenössische Ansätze betrachtet.

3. Im letzten Teil wird die Wirklichkeit aus dem physikalischen Blickwinkel heraus beurteilt. Er beschreibt physikalische Grundlagen der Gravitationstheorie, Einsteins Relativitästheorie sowie Quanten- und Stringtheorie. Er erklärt auch, weshalb diese Ansätze nicht miteinander vereinbar sind. Trotz der Komplexität des Stoffe ist dieser Teil auch für Laien verständlich dargestellt.

Der angenehme Schreibstil Baggotts macht das Lesen leicht und lockert das komplexe Thema etwas auf. Das Thema Wirklichkeit wird von allen Seiten beleuchtet, und obwohl es keine expliziten Antworten gibt( bzw. vielleicht gerade deshalb) hilft es doch jedem, seine eigenen Antworten zu finden. Ein Muss für alle, die der Realität näher kommen möchten.

Warum ich fühle, was du fühlst

Autor: Joachim Bauer

Das Taschenbuch von Bauer war eines der ersten, die sich dem geheimnisvollen Phänomen Empathie und Intuition annahmen. Es beschäftigt sich mit den sog. "Spiegelneuronen", also den Nervenzellen, die nicht nur uns selbst steuern, sondern schon beim Beobachten anderer aktiv sind. Sie bilden die Basis für unser intuitives Verständnis für das, was andere fühlen. Über diese Zellen erhalten wir Zugang zum "neurobiologischen Inventar" des Beobachters und lassen uns spüren, was in jedem vorgeht. Daher beeinflussen sie uns sowohl psychisch als auch körperlich in bedeutender Weise.

Joachim Bauer ist selbst Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und stellt z.B. Thesen zur Bedeutung der Resonanzphänomene für die Evolution auf, oder erörtert neue Möglichkeiten des Einsatzes moderner Erkenntnisse in Medizin, Pädagogik und Psychotherapie. Es gelingt Bauer tatsächlich, ein solch hochkomplexes, wissenschaftliches Gebiet allgemeinverständlich und ausführlich darzustellen.

Er geht Fragen auf den Grund, die mit Intuition oder unserem "6. Sinn" zusammenhängen. Warum ist ein Gähnen ansteckend? Warum wird unsere Laune besser, wenn uns jemand anlächelt? Woher können wir manchmal über große Entfernungen wissen, wie es jemandem geht?

Die Ergebnisse der Studien und Versuche bzgl. der "Spiegelneuronen" sind phänomenal: Es stellte sich heraus, dass bei Beobachtung einer Aktivität eines anderen genau das gleiche neurobiologische Programm in uns abläuft, als würden wir diese Handlung selbst ausführen. Schon kurze Teile einer Handlungssequenz oder ein einfaches Geräusch lassen uns wissen, wie es weitergeht. Meist treffen diese Voraussagen zu, jedoch basieren die eigenen gespeicherten Handlungssequenzen auf subjektiver Erfahrung, weshalb wir durchaus auch falsch liegen können. So können wir nicht nur Handlungen, sondern auch Emotionen und Empfindungen nachvollziehen, und somit bekommen wir die Fähigkeit zum Mitgefühl.

Joachim Bauer gelingt es hervorragend, die Bedeutung der Spiegelneuronen für unser ganzes Leben darzustellen. Er macht deutlich, was geschieht, wenn wir uns verlieben oder die Liebe wieder stirbt.

Doch nicht nur für den Alltag lassen sich Bauers Erkenntnisse anwenden. Sie haben auch Konsequenzen für das Verständnis kindlichen Lernens und für das Verstehen von Autismus (= eine Störung der Spiegelsysteme), für Zusammenhänge zwischen Handlungen und Sprache und für Schulprobleme, die heute immer häufiger bei unseren Kindern auftreten.

Der Mensch ist auf diese Spiegelungen angewiesen sowohl körperlich als auch psychisch, was z.B. die massiven Auswirkungen von Mobbing und sozialer Isolation deutlich machen. Ebenso erweiterten sich aufgrund dieser Erkenntnisse die Möglichkeiten der Psychotherapie.

Psychologie Heute zu diesem Buch:
"Das Buch ist ein großes Pionierwerk, das das Verständnis der menschlichen Psyche revolutioniert."

Alternative Diagnose- und Therapieverfahren - Eine kritische Bestandsaufnahme (Colin Goldner)

Milliardensummen werden allein in Deutschland auf dem gigantischen Markt alternativer Medizin umgesetzt. Etliche Anbieter solcher Verfahren erheben dabei den Anspruch, eine ernsthafte Alternative oder mindestens Ergänzung zur Schulmedizin darzustellen. Die Angebotspalette reicht von Verfahren, die nach dem Sozialgesetzbuch anerkannt sind (z.B. Antroposophische Medizin oder Homöopathie) bis zu Angeboten, die auf den ersten Blick an deren Wirksamkeit zweifeln lassen.

Aber wie leistungsfähig sind diese Diagnose- und Therapiemethoden wirklich?

Dieser Frage hat sich Colin Goldner angenommen, der weithin als Kritiker esoterisch begründeter Verfahren un Psychologie und Medizin bekannt ist. In 30 Kapiteln erläutert er die gängigsten Angebote der Alternativmedizin und unterzieht sie einer kritischen Betrachtung. Der Psychologe und Wirtschaftsjournalist erläutert auch, bei welchen Krankheiten und Leiden die Verfahren eingesetzt werden und bewertet ihre Nützlichkeit.

Sein Fazit: Der Großteil der Verfahren ist unbrauchbar und teilweise mit erheblichen Risiken belastet. Im besten Falle haben einige davon zwar keine medizinische Wirkung, können aber das Wohlbefinden der Patienten verbessern, wenn diese nur unter Befindlichkeitsstörungen leiden. Ein tatsächlicher medizinischer Nutzen lässt sich nur bei ganz wenigen Anwendungen nachweisen.

Das Buch bietet somit einen schnellen Überblick und eine kompakte Argumentationshilfe.

Über den Autor
Colin Goldner, Klinischer Psychologe und Wissenschaftsjournalist. Leiter des Forum Kritische Psychologie (München), einer Beratungseinrichtung für Therapie-Geschädigte. Als Therapeut ist Goldner ständig mit den Folgen befaßt, die der Einsatz fragwürdiger Psycho-Techniken bei rat- und hilfesuchenden Menschen auslöst.

Niemand kann seinem Schicksal entfliehen ... (AStA München)

Kritik an Weltbild und Methode des Bert Hellinger

Bert Hellinger hat sich im Laufe der Jahre zum Guru in der Therapieszene entwickelt, aufgrund seiner besonderen Form der "systemischen Familienaufstellung", die er als Behandlungsmethode entwickelt hat. Für die Patienten birgt dies jedoch besondere Risiken. Insbesondere da Hellinger über keinerlei solide therapeutische Ausbildung verfügt. Somit verstösst der ehemalige Missionar wie viele seiner Kollegen gegen die einfachsten Regeln der Psychotherapie, was unwägbare Risiken für die Patienten birgt.

Bert Hellinger propagiert ein erzreaktionäres Familienbild, in dem sich die Frau dem Mann unterzuordnen habe, man die eigene Situation als Schicksal akzeptieren muss und keinerlei Konflikte zur Sprache gebracht werden dürfen. Selbst sexueller Missbrauch und Vergewaltigung sind seiner Meinung nach Schicksale, die man akzeptieren müsse, und für die der Täter nicht verantwortlich sei.

Nicht genug, dass er diese Erkentnisse, die er durch "höhere Eingebung" erlangt hat statt durch fundierte wissenschaftliche Ausbildung, auf zwischenmenschliche Beziehungen anwendet - er interpretiert auch den Verlauf der Geschichte danach. Im Besonderen benutzt er diese Strickmuster zur Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

Mit diesem Buch liegt uns ein Sammel- und Aufsatzband vor, der zentrale Kritikpunkte an Hellingers Menschen- und Geschichtsbild kompakt und anschaulich darstellt und einen Blick auf das Netzwerk seiner Anhänger wirft.