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Über alles in der Welt - Esoterik und Leitkultur (Claudia Barth)

Barths Buch liefert eine systematische Analyse der wichtigsten esoterischer Ideologien und Gedankenexperimente und stellt ihren problematischen Einfluss auf die Gesellschaft heraus.

Das Buch ist in zwei große Teile gegliedert, die jeweils die historischen und gegenwärtigen Erscheinungsformen der Esoterik darstellen und analysieren.

Zunächst werden historische Wurzeln des Okkultismus dargelegt und zentrale esoterische Begriffe erläutert. Zum Beispiel wird auf die Herausbildung esoterischen Denkens bei Helena Blavatsky und Rudolf Steiner (Waldorf-Pädagogik) eingegangen und thematisiert dessen Akzeptanz im völkischen Lager und im Nazionalsozialismus. Unter anderem werden zahlreiche Persönlichkeiten und Gruppierungen vorgestellt, die von aktuellen aktiven und großen Kreisen rezipiert werden. Die Autorin konzentriert sich im Besonderen auf die in Deutschland übliche Spielart der Esoterik mit eher völkischem Einschlag.

Umrahmt werden diese ganzen Informationen von Ausführungen zu wissenschaftlichen Aspekten des Irrationalismus und Anregungen zur Entzauberung der Geisterwelt. Barth geht davon aus, dass auch die momentane Herausbildung der Esoterik im Kontext irrationalistisch-völkischer Vorbilder stehe.

Alles in allem eine gut lesbare und strukturierte journalistische Arbeit der Autorin, die einen informative Einstieg in die Materie liefert.

Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister - Peter Bierl

Peter Bierl bietet uns hier eine kritische Analyse von Geschichtsinterpretationen und Menschenbild dieser Strömung, sowie der Lehre von Seelenwanderung und Karma. Mithilfe fundierte historischer und aktueller Beispiele sowie zahlreicher Zitate weist er glaubhaft nach, wie antihumanistisch und irrational diese Weltanschauung ist, und dass sich daraus ebenso autoritäre oder gar faschistische Entwicklungen ideologisch vorbereiten lassen.

Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Auseinandersetzung mit der Lehre Rudolf Steiners, der Antroposophie, und deren Auswirkungen auf die Waldorfpädagogik, die ja auch außerhalb esoterischer Kreise sehr geschätzt ist. Die Antroposophie ist mit bundesweit mehr als 20.000 Mitgliedern eine der ältesten und wichtigsten esoterischen Strömungen.

Dieses Buch ist die aktualisierte und erweiterte Ausgabe der erstmals 1999 erschienenen Fassung. Viele Kapitel wurden bis dato substantiell erweitert. Nun gibt es beispielsweise Informationen zur Präsenz der Antroposophen in der globalisierungskritischen Bewegung oder zu jüngsten Versuchen, Steiners antisemtisch geprägte Ansichten wegzuinterpretieren.

Bierl stellt anschaulich ideologische Grundlagen vor und stellt Schnittstellen zu anderen autoritären Vorstellungen und Strömungen heraus. Das Buch lässt uns erkennen, wie menschenverachtend Steiners Denken und das seiner Anhänger war und heute noch ist.

Sie kennen Anthroposophen (oder auch Waldörfer) bisher als vergeistigte, wenn auch ein bisschen verschrobene Gutmenschen? Dann sei Ihnen dieses Buch wärmstens empfohlen. Sie sollten einmal nachlesen, was führende Vertreter dieser esoterischen Gemeinschaft in den letzte knapp 100 Jahren zu Reinkarnation & Karma, Wurzelrassen & Ariern, Krieg & Nation, Juden & Bolschewisten zu sagen hatten.